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Uranwirtschaft II: DAS WHO-IS-WHO DER PLAYER

Uranbergbau ist ein überschaubarer Markt. Die zehn größten Konzerne sind für 88,5 Prozent der Uranproduktion verantwortlich. Sie dominieren den Markt und die Ausbeutung von Indigenen.

Uranbergbau wird von wenigen Akteuren beherrscht: den beiden Staatskonzernen Kazatomprom (Kasach­stan) und Rosatom (Russland) sowie von Cameco (Kanada) und der französischen Orano-Gruppe, die aus der de facto bankrotten Areva ausgegliedert und mit Staatsgeldern gerettet wurde. Diese vier waren im Jahr 2017 für 63,3 Prozent der weltweiten Uranproduktion verantwortlich. Zählt man die CGN Uranium Resources hinzu, eine hundertprozentige Tochter der staatlichen China National Nuclear Corporation (CNNC), so kommen die großen Fünf auf einen Weltmarktanteil von 70 Prozent. Entsprechend ihrer Größe waren und sind diese Big Player überall dort aktiv, wo der Rohstoff des Atom­zeitalters abgebaut wird – und das ist zu großen Teilen auf dem Land von Indigenen. Umgekehrt kommen, rechnet man Kazatomprom und die chinesische CNNC hinzu, alle großen Urankonzerne aus dem Globalen Norden. Dort wird das Uran verwertet, das vor allem aus dem Globalen Süden stammt.

Areva/Orano ist seit Jahrzehnten ein zentraler Akteur und im weltweiten Uran- und Atomgeschäft gut vernetzt: So hat der Konzern 17 Beteiligungen an Uranvorkommen in Kanada, mehrere in Niger, drei in Gabun, zwei in der Mongolei, drei in Jordanien. Auch hier ist es das Land indigener Gesellschaften, aus dem Areva/Orano seinen Anteil von 13,5 Prozent an der weltweiten Uranproduktion herausholt.

Bereits in den 1960er Jahren haben Orano beziehungs­weise seine Vorgängerfirmen Uranlager in Afrika erkundet und in Niger den Uranbergbau gestartet. Hier gehören dem Unternehmen die Mine Arlit zu 63,4 Prozent, die Gesellschaft Somaïr zu 37 und das Vorkommen Imouraren zu 56 Prozent. In Kasachstan, seit 2009 der weltweit größte Uranproduzent, ist Orano an den Uranminen Tortkuduk und Myunkum beteiligt, in Kanada mit 37 Prozent an Cigar Lake sowie 30 Prozent an McArthur River. Die beiden kanadischen Uranminen sind die größten der Welt: 22 Prozent der weltweiten Uranförderung kamen 2017 von dort.

Bei den Beteiligungen geht es jedoch nicht allein um Förderung, sondern auch um Exploration, die Sicherung neuer Lagerstätten und die Erwartung künftiger Profite. Manche Mine ist vorübergehend geschlossen, andernorts ist es bei der Erkundung geblieben, weil nach der Fukushima-Katastrophe die Nachfrage nach Uran gesunken ist.

Dieses Geschäftsmodell wird von staatlicher Seite gedeckt: Mal sind französische Spezialeinheiten unterwegs, um die Uranminen in Niger zu sichern, dann retten der französische Staat und damit die Steuerzahler*innen Areva/Orano mit 4,5 Milliarden Euro vor der Pleite. So kann Orano den atomaren Irrsinn weiter vorantreiben. WISE Uranium Project hat das Firmenkonglomerat Orano/Framatome/Areva/Cogéma in die »Hall of Infamy« aufgenommen. Dabei lässt sich »Infamy« sowohl mit Schande als auch mit Niedertracht oder Unverschämtheit übersetzen.

Grafik Uranbergbau-Konzerne und ihre Lieferländer
Uranbergbau-Konzerne und ihre Lieferländer

Andere Konzerne verfahren nicht viel anders: Die staatliche CNNC ist nicht nur Chinas führende Betreiberin von Kernkraftwerken und verantwortlich für Bergwerke und Uranmühlen in China. Der Konzern sichert sich auch den atomaren Brennstoff in anderen Regionen der Welt: Er besitzt jeweils 49 Prozent an den Minen Semizbai und Irkol in Kasachstan. In Namibia hält er 25 Prozent der Anteile an Langer Heinrich, verbunden mit der Option, auf 49 Prozent aufzustocken, sobald der Betrieb wieder aufgenommen wird, sowie ebenfalls 49 Prozent am Erkundungsprojekt Zhonge in Namibia. Aber auch in Russland, Simbabwe und Australien – das chinesische Unternehmen ist mit von der Partie.

Im Jahr 2013 hat der russische Staatskonzern Rosatom die kanadische Bergbaugesellschaft Uranium One übernommen und wurde dadurch auf einen Schlag zu einem der weltweit mächtigsten Player. Rosatom hält 94,4 Prozent der Anteile, der Rest gehört dem russischen Finanzministerium. Seit dieser Übernahme ist Rosatom an fünf Minen in den USA, an drei Minen in Kanada sowie an Projekten in Mosambik und Tansa­nia beteiligt. Das Unternehmen unterhält Büros in Südafrika und Australien und ist mit einer Förderung von 5 100 Tonnen der viertgrößte Uranproduzent. Weil Rosatom gleichzeitig jedoch auch den Bau neuer Atomkraftwerke anzustoßen versucht, laufen viele Fäden in der Konzernzentrale zusammen. China, Indien, die Türkei, der Iran und Ungarn stehen unter anderem auf der Kontakt- und Auftragsliste.

Auch der kanadische Uran-Gigant Cameco ist überall dort zu finden, wo es den Stoff für Atombomben und Atom­kraftwerke gibt. 20 Beteiligungen im eigenen Land, zehn in den USA, weitere in Kasachstan, in Niger sowie in Australien. Auch Cameco hat es in die »Hall of Infamy« geschafft.

Kazatomprom wiederum betreibt 17 Uranminen in Kasachstan und war mit 12 500 Tonnen Uran im Jahr 2017 der weltweit größte Uranproduzent. Das Unternehmen hat keine Beteiligungen im Ausland, ermöglicht aber anderen Gesellschaften den Zugang zu Kasachstans Uranlagern.

Bergbaukonzerne wie die australisch-britische Rio Tinto – die Nummer sieben im weltweiten Urangeschäft – machen mit allem Geld, was sich aus der Erde holen lässt: Eisen, Kupfer, Gold, Aluminium, Diamanten, Kohle oder Bauxit, um nur einige Rohstoffe zu nennen. Uran fördern sie nicht nur in Australien, sondern auch in Namibia, Südafrika, Kanada und den USA.

Der Blick auf die zehn größten Uranminen der Welt verdeutlicht den neokolonialen Charakter des Geschäftsmo­dells: Cigar Lake und McArthur River liegen auf dem Gebiet der Cree und Dene, Olympic Dam und Ranger auf dem Land der Kokatha und Mirrar, Somaïr im Territorium der Tuareg. Fünf Minen liegen in Kasachstan, einem autoritär geführten Land, das keinen Widerstand gegen Uranbergbau duldet. Den Preis dafür, dass Atomkraftwerke in Südkorea, China, Japan, Russland, der EU und den USA am Laufen bleiben, bezahlen die Menschen aus den Bergbauregionen: Ihre Lebensgrundla­gen werden zerstört. Die genauen Wege des Urans sind dabei kaum nachzuvollziehen: Weder geben die Abbaufirmen an, wohin sie das geförderte Uran liefern, noch die AKW-Betreiber, woher das Uran für ihre Anlagen stammt. Das gilt auch für Deutschland: Auf die Frage, woher die Brennelemente-fabrik Gronau Uran erhält, lautete die Anwort: »Unterliegt der Geheimhaltung!«.

Weiterführende Informationen

• Aktuelle Firmennews: wise-uranium.org, Rubrik Uranium Mining Companies
Cindy Vestergaard: Governing Uranium Globally, 2015, PDF auf researchgate.net