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Uranwirtschaft II: DAS WHO-IS-WHO DER PLAYER

Uranbergbau ist ein überschaubarer Markt. Die zehn größten Konzerne sind für rund 95 Prozent der Uranproduktion verantwortlich. Sie dominieren den Markt, üben eine ungeheure Macht aus und verantworten die Ausbeutung von Indigenen

Uranbergbau wird von wenigen Akteuren beherrscht: den vier Staatskonzernen Kazatomprom (Kasachstan), Rosatom (Russland), CNNC (China) und Orano (Frankreich), die aus der de facto bankrotten Areva ausgegliedert und mit Staatsgeldern gerettet wurde, sowie von der kanadischen Cameco. Diese fünf waren im Jahr 2024 für fast 80 Prozent der weltweiten Uranproduktion verantwortlich. Entsprechend ihrer Größe waren und sind diese Big Player überall dort aktiv, wo der Rohstoff des Atomzeitalters abgebaut wird – und das ist zu großen Teilen auf dem Land von Indigenen. Die zehn größten Urankonzerne verantworten 95 Prozent des Uranabbaus und kommen allesamt aus dem Globalen Norden. Dort wird das Uran verwertet, das zu großen Teilen aus dem Globalen Süden stammt.

Diese Konzerne machen nicht nur Geld, sondern Geopolitik, in der Atomwaffen wieder eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Rosatom für Putins Russland (s. S. 56-57), die CNNC für China und die Orano-Gruppe für Frankreich (s. S. 28-29). Das erklärt auch, warum Areva gegen jede wirtschaftliche Vernunft mit 4,5 Milliarden Euro Steuergeldern vom Staat gerettet wurde. Areva/Orano ist seit Jahrzehnten ein zentraler Akteur und im weltweiten Uran- und Atomgeschäft gut vernetzt: So hat der Konzern 17 Beteiligungen an Uranvorkommen in Kanada, drei in Gabun, zwei in der Mongolei, drei in Jordanien.

Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg hat Frankreich Uranlager in Afrika erkundet und in Madagaskar (1953), Gabun (1960) und Niger (1971) den Uranbergbau gestartet (s. S. 14). In Niger gehörten Areva später über diverse Firmenbeteiligungen die Mine Arlit zu rund 63 Prozent, das Vorkommen Imouraren zu rund 56 Prozent. Erst die Militärs, die 2023 die Macht übernahmen, verstaatlichten diese Anteile oder entzogen Orano die Lizenz. In Kasachstan, seit 2009 weltweit größter Uranproduzent, ist Orano zu 51 Prozent an der Uranförderung in den Minen Tortkuduk und Muyunkum beteiligt, die wesentlich zur globalen Uranversorgung beitragen, in Kanada mit 40 Prozent an Cigar Lake sowie 30 Prozent an McArthur River. Aus den beiden kanadischen Uranminen kam 2024 fast ein Viertel der weltweiten Uranförderung.

Bei den Beteiligungen geht es jedoch nicht allein um Förderung, sondern auch um Exploration, sowie die Sicherung neuer Lagerstätten und künftiger Profite. Dieses Geschäftsmodell wird von staatlicher Seite gedeckt: Mal sind französische Spezialeinheiten unterwegs, um wie in früheren Zeiten die Uranminen in Niger zu sichern, dann retten die Steuerzahler*innen Areva/Orano vor der Pleite. So kann Orano den atomaren Irrsinn weiter vorantreiben. WISE Uranium Project hat das Firmenkonglomerat Orano/Framatome/Areva/ Cogéma in die »Hall of Infamy« aufgenommen. Dabei lässt sich »Infamy« sowohl mit Schande als auch mit Niedertracht oder Unverschämtheit übersetzen.

Andere Konzerne verfahren nicht viel anders: Die staatliche CNNC ist nicht nur Chinas führende Betreiberin von Kernkraftwerken und verantwortlich für Bergwerke und Uranmühlen in China. Der Konzern sichert sich auch den atomaren Brennstoff in anderen Regionen der Welt: Er besitzt jeweils 49 Prozent an den Minen Semizbai und Irkol in Kasachstan. In Namibia hält er 25 Prozent der Anteile an Langer Heinrich, 68 Prozent an Rössing Uranium sowie 58 Prozent am Erkundungsprojekt Zhonge in Namibia. Aber auch in Russland, Simbabwe und Australien – das chinesische Unternehmen ist mit von der Partie.

Im Jahr 2013 hat der russische Staatskonzern Rosatom die kanadische Bergbaugesellschaft Uranium One übernommen und wurde dadurch auf einen Schlag zu einem der weltweit mächtigsten Player. Seit dieser Übernahme ist Rosatom an fünf Minen in den USA, an drei Minen in Kanada sowie an Projekten in Mosambik und Tansania beteiligt. Das Unternehmen unterhält Büros in Südafrika und Australien, ist mit einer jährlichen Förderung von 8 567 Tonnen der viertgrößte Uranproduzent, verfügt über rund ein Drittel der weltweiten Urananreicherungskapazität und liefert etwa 40 Prozent der europäischen Brennelemente. Weil Rosatom gleichzeitig neue Atomkraftwerke in Ägypten, China, Indien, Kasachstan und anderen Ländern baut bzw. bauen will, laufen viele Fäden in der Konzernzentrale zusammen (s. S. 56-57).

Auch der kanadische Uran-Gigant Cameco ist überall dort zu finden, wo es den Stoff für Atombomben und Atomkraftwerke gibt. 20 Beteiligungen im eigenen Land, 10 in den USA, weitere in Kasachstan, in Niger sowie in Australien. Cameco hat es auch in die »Hall of Infamy« geschafft.

Kazatomprom wiederum betreibt 17 Uranminen in Kasachstan und war mit 12 463 Tonnen Uran im Jahr 2024 der weltweit größte Uranproduzent. Das Unternehmen hat keine Beteiligungen im Ausland, ermöglicht aber anderen Gesellschaften den Zugang zu Kasachstans Uranlagern.

Bergbaukonzerne wie die australisch-britische BHP Group – 2024 die Nummer sieben im weltweiten Urangeschäft – machen mit allem Geld, was sich aus der Erde holen lässt: Eisen, Kupfer, Gold, Aluminium, Diamanten, Öl, Kohle oder Bauxit, um nur einige Rohstoffe zu nennen. Uran fördern sie nicht nur in Australien, sondern auch in Namibia, Südafrika, Kanada und nach einer kurzen Pause auch wieder in den USA.

Der Blick auf die zehn größten Uranminen der Welt verdeutlicht den neokolonialen Charakter des Geschäftsmodells: McArthur River und Cigar Lake in Kanada liegen auf dem Gebiet der Cree und Dene, Olympic Dam in Australien auf dem Land der Kokatha, Arlit in Niger im Territorium der Tuareg, Rössing und Husab in der Wüste Namibias. Diese fünf Minen hatten 2024 einen Anteil von 39 Prozent an der weltweiten Uranproduktion.

In autoritären Staaten wie Russland, China, Kasachstan oder Usbekistan wird Widerstand gegen Uranbergbau nicht geduldet. Den Preis dafür, dass Atomkraftwerke in Südkorea, China, Japan, Russland, der EU und den USA am Laufen bleiben, bezahlen die Menschen aus den Bergbauregionen: Ihre Lebensgrundlagen werden zerstört. Die genauen Wege des Urans sind dabei kaum nachzuvollziehen: Weder geben die Abbaufirmen an, wohin sie das geförderte Uran liefern, noch die AKW-Betreiber, woher das Uran für ihre Anlagen stammt. Das gilt auch für Deutschland: Auf die Frage, woher die Brennelementefabrik Gronau Uran erhält, lautet die Antwort: »Unterliegt der Geheimhaltung!«.

Weiterführende Informationen

• Aktuelle Firmennews: wise-uranium.org, Rubrik Uranium Mining Companies
Governing Uranium Globally, Cindy Vestergaard, 2015, PDF auf researchgate.net