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Uranwirtschaft I: ERFOLGREICHER WIDERSTAND

Seit über 20 Jahren beschwört die Atomwirtschaft eine Atomrenaissance. Dennoch gibt es kaum neue Uranminen. Auch weil sich immer mehr Gruppen gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen wehren

Die Wirklichkeit der Atomrenaissance sieht folgendermaßen aus: 107 Atommeiler sind in der Europäischen Union und in Großbritannien Ende 2025 noch am Netz, 61 weniger als 1989. Ein Reaktor in der Slowakei und zwei in England werden gebaut (s. S. 43). Gleiches gilt für Nordamerika: Zwischen 1996 und 2025 wurden dort Vogtle 3 und 4 im US-Bundesstaat Georgia fertiggestellt. Kein einziges AKW ist derzeit in Nordamerika im Bau. In Kanada wurden in den vergangenen drei Jahren aber vier Reaktoren stillgelegt.

Japan hat nach der Fukushima-Katastrophe alle 54 Reaktoren abgeschaltet. 14 waren Ende 2025 wieder am Netz, neue Projekte ausgeschlossen. Deutschland und Taiwan haben den Atomausstieg vollzogen, Spanien und die Schweiz haben ihn beschlossen. Italien ist nach der Katastrophe von Tschernobyl 1990 aus der Atomkraft ausgestiegen, Österreich nach einer Volksabstimmung 1978. Zwar werden in Ägypten, Bangladesch und der Türkei erstmals Atomkraftwerke gebaut. Aber nur 31 der 193 UN-Staaten betreiben Ende 2025 AKWs. Atomstromproduktion und Urannachfrage sind in den vergangenen Jahren zwar wieder gestiegen, aber hauptsächlich wegen neuer Reaktoren in China. Nur 11 Länder bauen Ende 2025 neue Atomkraftwerke. Statt einer Atomrenaissance gibt es nur Stagnation.

Kasachstan ist mit einem Anteil von fast 39 Prozent an der weltweiten Produktion derzeit wichtigster Uranlieferant. Seit 2009 nimmt das Land diese Spitzenposition ein. Die staatliche Kazatomprom fördert den Rohstoff ausschließlich im In-situ-Leaching-Verfahren. Weil es keine Tailings gibt und die Kontamination unsichtbar bleibt, sprechen Regierungsvertreter*innen von einer »sauberen Technologie«. Kein Wort zu den Folgen, etwa zur dramatischen Kontamination des Grundwassers (s. S. 38). Um den Uranpreis zu stützen, hat der Staatskonzern die Produktion 2017 um fünf sowie 2018 und 2020 um jeweils 20 Prozent gedrosselt und bis Mitte 2025 die Fördermenge nur leicht wieder erhöht.

Nach der Fukushima-Katastrophe 2011 lag der Uranpreis bis Mitte 2023 unter 50 US-Dollar und machte die meisten Bergwerke unwirtschaftlich; neue werden kaum noch erschlossen, bestehende stillgelegt oder verkauft. In Malawi schloss Paladin bereits 2014 Kayelekera. Nach 10 Jahren Pause wurde das Bergwerk unter einem neuen Eigner wieder eröffnet. In Niger hat Areva (heute Orano) 1,9 Milliarden in Imouraren investiert, den Bergbau aber nie gestartet; und in Namibia hat der Konzern Klein Trekkopje schon vor Jahren stillgelegt, weil das Bergwerk nur noch Verluste gemacht hat. Langer Heinrich liegt ebenfalls in Namibia und hat dazu beigetragen, dass die australische Paladin kurz vor der Pleite stand. Anfang 2018 wurde das Bergwerk »eingemottet« und erst 2024 wieder in Betrieb genommen. In Mali liegt Falea brach, in Südafrika – historisch immerhin der zweitgrößte Uranproduzent Afrikas – wurden 2024 nur noch 200 Tonnen gefördert. In Kanada wurde McArthur River stillgelegt, in Australien Ranger Deeps zwar erschlossen, aber nicht in Betrieb genommen und sechs Erkundungsprojekte, die sich ohnehin als unwirtschaftlich erwiesen hatten, nach öffentlichen Protesten und einer neuen Regierungspolitik eingestellt. In den USA wiederum sank die Uranproduktion auf 6 Tonnen im Jahr 2020, 2024 lag sie wieder bei 260 Tonnen. Die Trump-Regierung will den Uranbergbau in großem Stil wieder beleben (s. S. 18-19).

Gleichzeitig wehren sich immer mehr Menschen in Afrika, Australien, Nordamerika und Europa gegen Uranbergbau und die Vernichtung ihrer Lebensgrundlagen. Bereits 2003 holte beispielsweise Almoustapha Alhacen unabhängig Forschende aus Frankreich nach Niger und ließ die Strahlenbelastung um Arlit messen. Das Ergebnis: dramatisch überhöhte Werte, die die vielen Krebsfälle erklärten. Urangigant Areva verwies auf eigene Messungen: Alles sei unbedenklich. Einen unerwarteten Gegner erhielt Areva in Australien: Die UNESCO erklärte das Gebiet Koongarra im Northern Territory zum Weltkulturerbe. Weil ihre Proteste außerhalb Afrikas kaum wahrgenommen wurden, schlossen sich 2009 Aktivist*innen aus Niger, Tansania, Malawi und Südafrika zur »African Uranium Alliance« zusammen. Neben dem Widerstand gegen neue Abbauprojekte galt es, die Arbeitenden in den Bergwerken zu sensibilisieren: Oft fehlten Schutzkleidung, Dosimeter und ausreichende Sicherheitsbestimmungen. Im westafrikanischen Mali vergab die Regierung 2007 die Konzession, in der Falea-Region nach Uran zu suchen. Gegen den Abbau wehrt sich seitdem die Bürgerinitiative ASFA21.

In Tansania waren es junge Erwachsene aus verschiedenen Teilen Afrikas, die 2015 den Kilimandscharo bestiegen und vom höchsten Berg Afrikas aus die »Ächtung des Uranbergbaus « forderten. Der Ort wurde gewählt, weil die Regierung das Land zu einem der führenden Uranproduzenten machen und die bereits im vergangenen Jahrhundert entdeckten Uranlagerstätten ausbeuten will. Als auf Feldern und Weidegründen nach möglichen Standorten gesucht wurde, benötigten Explorationen wegen des Widerstands zeitweise Polizeischutz. Der Marsch auf den Kilimandscharo war quasi ein weithin sichtbares Zeichen dafür. Dennoch will der russische Staatskonzern Rosatom am Mkuju River Uran abbauen, genauso wie in der Region Omaheke in Namibia an der Grenze zu Botswana, wo dadurch ein unterirdisches Wasserreservoir schwer beeinträchtigt würde. Eine lokale Bewegung wehrt sich bislang mit Erfolg. Staatsapparate nehmen Proteste dabei nicht einfach nur zur Kenntnis. In Malawi wurden 2017 acht Aktivist*innen aus Tansania über 100 Tage als »ausländische Agent*innen« inhaftiert. In Russland sind Anti-Atom-Aktivist*innen ins Exil geflohen, nachdem der Staat sie ebenfalls als »ausländische Agent*innen« einstufte; diejenigen, die im Land bleiben, werden eingeschüchtert. Aus diktatorisch und autokratisch geführten Ländern wie Kasachstan und China dringen Proteste gleich gar nicht an die Öffentlichkeit.

Auch in Spanien wurden Anti-Uran-Aktivist*innen kriminalisiert. Massive Proteste haben aber dort wie in Tschechien neue Uranbergwerke zumindest vorerst verhindert. Weltweit verbreitet sich dabei in der Bewegung das Motto der indigenen Völker Nordamerikas: »We are not protestors, we are protectors «. Die Protestierenden sehen sich als Beschützende – und verweisen auf die immer kostengünstiger werdenden Erneuerbaren Energien.

Weiterführende Informationen

Protest gegen ISL in Namibia: saumanamibia.org

Widerstand gegen Uranbergbau: wiseinternational.org, Stichworte »Uran«, »Afrika«