Ungarn: Rosatom vergrößert die Abhängigkeit Ungarns von russischer Energie
Das Vorgehen ist einigermaßen bekannt: Im November will Rosatom mit dem Bau von Paks 2 und dem ersten von zwei geplanten neuen Atommeilern beginnen, ein Jahr später als ursprünglich geplant. Der russische Staatskonzern plant das Kraftwerk und ist für seinen Bau verantwortlich. Wenn das Kraftwerk irgendwann fertig gestellt sein wird, wird er auch die Brennelemente liefern.
Damit schafft Rosatom geopolitische Abhängigkeiten wie schon in anderen Fällen. In der Türkei beispielsweise baut Rosatom am Standort Akkuyu an der türkischen Mittelmeerküste 4 Atommeiler und bietet dabei eine Art Rund-um-Sorglos-Paket. Neben dem Bau ist Rosatom für den Betrieb, die Lieferung der Brennelemente sowie die Rücknahme des Atommülls verantwortlich. Dafür erhält Rosatom 12,35 $-Cent für die Hälfte des dort erzeugten Atomstroms, obwohl Erneuerbare Energien inclusive Speichertechniken oder Geothermie deutlich günstiger zu haben sind. Die andere Hälfte wird nach Marktpreis vergütet. Auf dem afrikanischen Kontinent baut der Konzern baut bislang zwar „nur“ in Ägypten ein AKW mit 4 Meilern. Mit 18 weiteren Staaten hat Russland/Rosatom aber bereits formelle Atom-Abkommen geschlossen, um den Ländern den Einstieg zur friedlichen Atomkraft-Nutzung zu ermöglichen. Rosatom erweist sich dabei als der geopolitische Arm Putins.
Vergleichbar lässt sich die Situation in Ungarn einordnen: Ungarn bekommt bis heute Öl aus Russland zu günstigen Preisen, betreibt das AKW Paks 1, dessen 4 Reaktoren sowjetischer Bauart sind. Die WWER-Reaktoren sind von Brennelementen abhängig, die bis vor kurzem nur der russische Staatskonzern Rosatom herstellen konnte. Trotz Flugverbot über EU-Territorium konnten mit Sondergenehmigungen russische Flugzeuge nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine Brennelemente für Paks 1 liefern. Mit dem Bau von Paks 2 wird die ungarische Abhängigkeit von Russland nochmals vergrößert. Und man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass Ungarns Präsident Viktor Orbán auch in Zukunft bei jeder nur denkbaren Gelegenheit EU-Sanktionen gegen Russland zu blockieren oder abzuschwächen versuchen wird.
Die Kosten für Paks 2 sollen sich laut einem Atomdeal aus dem Jahr 2014 auf 12,5 Mrd. € belaufen, die Russland zu großen Teilen in Form eines 10-Mrd.-Kredits dem ungarischen Staat vorstreckt und den Ungarn bis 2046 mit einem Zinssatz von 4,95 % zurückzahlen soll.