Frankreich: Hohe Staatsverschuldung auch wegen Atomkraft
"Zu diesem riesigen staatlichen Schuldenberg trägt der Staatskonzern EDF (Électricité de France) erheblich bei", urteilt Hans-Josef Fell, einer der Väter des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und NFFA-Preisträger. "Seine Schulden von etwa 50 Milliarden Euro belasten den Staatshaushalt stark. Seit 2023 ist EDF vollständig im Besitz des Staates. Dieser musste das Unternehmen komplett übernehmen, da EDF andernfalls der Konkurs gedroht hätte."
Frankreich hat sich auf Gedeih und Verderb der Atomkraft verschrieben. Wie teuer das werden kann, zeigt der Atommeiler Flamanville 3 im Norden Frankreichs, der nach einer endlosen Reihe von technischen und industriellen Debakeln Ende 2024 ans Netz gehen. Der französische Rechnungshof beziffert die Kosten des Abenteuers auf 23,7 Milliarden Euro, achtmal so viel wie ursprünglich kalkuliert.
"Faktisch musste alles aus dem Staatshaushalt bezahlt werden, ebenso wie die vielen Milliarden an Kostensteigerungen der beiden von EDF gebauten Atomreaktoren im britischen Hinkley Point und finnischen Olkiluoto", betont NFFA-Preisträger Fell. Und weiter: "In den vielen Foren der Atombefürworter wird immer wieder der angeblich billige Atomstrom in Frankreich hervorgehoben, wodurch suggeriert wird, dass die Erneuerbaren Energien in Deutschland die Strompreise treiben, während Atomstrom billig sei. Dass der französische Atomstrompreis politisch gedeckelt und nur mit Steuergeldern niedrig gehalten wird, hat die Atombefürworter nie interessiert."
"Frankreich ist ein gutes Beispiel dafür, wie man eine Energiewirtschaft runterwirtschaften kann, wenn man aufs falsche Pferd setzt", betonte der Ökonom Christian von Hirschhausen im Gespräch mit NFFF-Vorstand Horst Hamm. "Natürlich wäre es auch in Frankreich das Beste, die laufenden Atomkraftwerke auslaufen zu lassen und auf Erneuerbare zu setzen. Neue AKWs zu bauen ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll." Immerhin hat Frankreich gute Windstandorte und ein großes Potenzial an Sonne - mehr als Deutschland.
Aber es ist ein nationaler Mythos, der seit Jahrzehnten in Frankreich von oberster Stelle gepflegt wird: Wohl Wehe der Grand Nation hängen untrennbar mit der Atomkraft zusammen. Unser westlicher Nachbar hat sich damit ein atomares Dilemma geschaffen, für das er gigantische Summen schultern muss. Und um nochmals Hans-Josef Fell zu zitieren: "Während in Deutschland die Strompreise für Neuabschlüsse dank der günstigen Erneuerbaren Energien stetig sinken, steigen die Strompreise für Verbraucher in Frankreich rasant auf immer neue Rekordniveaus."