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Endlager II: DER ORT, DEN ALLE SUCHEN

Weltweit ist nur ein Endlager tatsächlich im Bau – im finnischen Onkalo. Doch es gibt inzwischen 350 000 Tonnen hochradioaktiven Atommüll, und jedes Jahr kommen rund 10.000 Tonnen dazu.

Am 2. Dezember 1942 fand in Chicago als Teil des Manhattan-Projekts die erste nukleare Kettenreaktion der Welt statt. An diesem Tag wurde der erste hochra­dioaktive Abfall produziert – ein Becher voller Atommüll für die Ewigkeit. Einen Plan, diese neue Art von Müll zu entsorgen, gab es nicht. Die Lösung wurde auf »später« verschoben. Inzwischen ist es »später«, aber noch immer ist kein Lager für hochradioaktiven Atommüll in Betrieb.

Was wir wissen: Ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll muss eine Million Jahre sicher sein. Denn so lange bleibt der strahlende Abfall eine tödliche Gefahr. Wir haben aber keinerlei Erfahrung über derart große Zeiträume.

Daten zu Atommüll sind schwierig zu recherchieren, IAEA und WNA haben auf Anfragen nicht reagiert. Länder mit Wiederaufarbeitungsanlagen verringern ihre hochradioaktive Atommüllmenge deutlich, erhöhen dafür aber den mittelradioaktiven Abfall um ein Vielfaches.

USA

1987 erteilte der Kon­gress den Auftrag, sich auf ein Endlager im Yucca Mountain in Nevada zu konzent­rieren. Im Land der Western Shoshone sollten 70000 Tonnen hochradioaktive Ab­fälle untergebracht werden. Der Staat Nevada und die Wes­tern Shoshone lehn­ten Yucca vehement ab, unterstützt durch viele Umwelt- und Anti-Atom-Gruppen. Der Standort ist vul­kanisch aktiv.

80296 Tonnen abgebrannte Brennelemente (Juni 2017) befinden sich in Zwischenlagern. Yucca Mountain wurde 2011 verworfen, ist aber erneut in der Diskussion.

Russland

Während Russland über ein Endlager für schwach- und mit­telaktive Abfälle ver­fügt, ist es bei hochradioaktivem Müll noch in der Erkun­dungsphase. In Frage kommt das Nischnekansky-Felsmassiv in der Region Krasnojarsk in Sibirien. Noch werden die geologi­schen Voraussetzungen geklärt. Sollte der Standort ungeeignet sein, steht Russland wieder bei null. 22449 Tonnen abgebrannte Brennelemente und 18640 Kubikmeter flüssige Abfälle gibt es (Ende 2016). Das Management der nuklearen Abfälle liegt in Händen der Atomindustrie. Hochradioaktiver Abfall lagert zum Teil ohne Schutz unter freiem Himmel. Krasnojarsk ist der einzige erforschte Standort

Frankreich

Seine hochradioaktiven Abfälle will Frankreich bei Bure in Lothringen in 500 Metern Tiefe in einer Tongesteinsformation einlagern. Das 90 Einwohner*innen- Dorf ist seit der Bekanntgabe im Widerstand: Weil es auch grundsätzliche Zweifel am Standort Bure gibt, hat die französische Regierung noch keine endgültige Genehmigung erteilt. Alternativen wurden aber verworfen.

9681 Tonnen abgebrannte Brennele­mente, 3200 Kubikmeter flüssige Abfälle, 14555 Container mit verglastem Atommüll (Ende 2015) Atommüll soll 100 Jahre rückholbar sein. Solange es kein Endlager gibt, wird die Altlast zwischengela­gert, zum großen Teil in La Hague. Es gibt grundsätzliche Zweifel am Standort Bure.

Deutschland

Um ein Auswahlverfahren für ein Endlager für hochradioaktiven Müll zu finden, hat Deutschland eine Endlager-Kommission eingesetzt. Sie hat empfohlen, überall in Deutschland nach dem am besten geeigneten Ort zu suchen. Derzeit wird hochradioaktiver Atommüll in Castorbehältern oberirdisch verwahrt. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis ein Endlager fertig ist. Bis Ende 2022 werden 17.000 Tonnen Atommüll angefallen sein.

Bis ein Endlager fertig ist, wird der hochradioaktive Atommüll an den Standorten der Atomkraftwerke sowie in Gorleben, Ahaus und Lubmin verwahrt. Die Entscheidung kann Jahrzehnte dauern.

Japan

Japan hat ein grund­sätzliches Problem: Unter dem Land tref­fen gleich vier tektonische Platten auf einander, so dass keine Gesteinsschicht eine Million Jahre Sicher­heit garantiert. Da Atomkraft seit Fukushima äußerst unpopulär ist, gibt es keine Region, die bereit wäre, die strahlende Altlast aufzunehmen. Japans Atomindust­rie hat keine Idee, um das Problem zu lösen. Es gibt 16889 Tonnen sowie 415 Kubikmeter flüssige Abfälle (März 2014).

Der hochradioaktive Atommüll wird in oberirdischen Zwischenlagern verwahrt. Nach Fukushima wurden alle einem Stresstest unterzogen.

Ein Endlager in Australien war die Hoffnung.

Schweden

Mit der Standortsuche wurde 1977 begonnen. Die damit betraute Swedish Nuclear Fuel and Waste Management Company entschied sich inzwischen für Forsmark, 120 Kilo­meter nördlich von Stockholm und eine kristalline Gesteins­schicht in 500 Metern Tiefe. Dort gibt es bereits ein AKW mit drei Meilern. Widerstand von Seiten der Bevölkerung gibt es so gut wie keinen.

Vorerst lagert der Atommüll – 6758 Tonnen / Stand Ende 2016 - in der Nähe des Kernkraftwerks Oskarshamn.

Forsmark als Standort ist praktisch festgelegt.

Großbritannien

Der Lake District Nationalpark in Cumbria steht ganz oben auf der Liste der idealen Standorte für ein Endlager. Das Land mit seinen derzeit 15 Atommeilern muss über 10500 Tonnen (Stand April 2016) hoch- und über eine Million Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Müll einlagern. Derzeit geht es darum, eine nahegelegene Gemeinde mit dem 16-Milliarden-Dollar- Projekt zu locken.

Hoch und niedrig strahlender Atommüll wird an mehreren Orten derzeit oberirdisch gelagert, das meiste in der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield.

Es gibt keinen politischen Konsens über Cumbria.

China

China ist das ein­zige Land der Welt, das noch immer in größerer Zahl neue Atomkraftwerke baut und ans Netz bringt. Dementsprechend steigt die Menge an hochradioaktivem Atommüll. Bei Xinchang in der Wüste Gobi im Nordwesten des Landes erforscht die Regierung, ob tief unter der Oberfläche ein Endlager gebaut werden kann. Noch gibt es keine Entscheidung.

In China werden abgebrannte Brennelemente (3973 Tonnen / Ende 2013) bislang in regionalen Zwischenlagern aufbewahrt. Den Betrieb gewährleistet die staatliche CNNC.

Die Wüste Gobi als Standort wird favorisiert.

Finnland

Onkalo bedeutet »Hohlraum« und ist der Name für Finnlands Endlager. Es befindet sich auf der Atomhalbinsel Olkiluoto, auf der bereits zwei Atommeiler in Betrieb sind. 2015 erteilte die finnische Regierung die Lizenz zum Bau eines Endlagers in tiefen Ge­steinsschichten. Dort soll Platz für 6500 Tonnen Atommüll geschaffen und in den 2020er Jahren endgelagert werden.

Bis zur Inbetriebnahme des Endlagers wird der gesamte Atommüll am Standort Olkiluoto zwischengelagert.

In wenigen Jahren soll Olkiluoto fertig sein.

Schweiz

In der Schweiz soll das letzte AKW 2034 abgeschaltet wer­den. Das Land hat dann wahrscheinlich 4300 Tonnen hoch- und weitere 92000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle. 1995 und 2002 lehnten die Schweizer*innen zwei Endlager-Standorte ab. Im Moment werden im Jura Ost und Zürich Nordost zwei Standorte für hochradioaktiven Müll geprüft.

Frühestens 2050 kann die Endlagerung starten. Bis dahin wird der Müll in Würenlingen und an den AKW-Standorten zwischengelagert.

Drei Orte stehen zur Wahl: Jura Ost, Nördlich Lägern, Zürich Nordost.

Australien

Unter dem Namen »Pangaea« entstand in Australien in den späten 1990er Jahren die Idee, ein Atommüllendlager für die Welt zu bauen. Eine Allianz aus Umwelt-schützer*innen und Aboriginals, auf deren Gebiet das Endlager gebaut werden sollte, verhinderte damals das Projekt. 2015 wurde es wiederbelebt, aber nach massiven Protesten 2017 wahrscheinlich endgültig beerdigt.

Das Projekt scheiterte am massiven Widerstand.